Zum Weltfrauentag: Raus aus der Tabuzone!

Mrz 8, 2024

Zum Weltfrauentag: Raus aus der Tabuzone!

Heute durfte ich in meiner Rolle als Beraterin für alternative Monatshygiene und Inkontinenzversorgung ein paar Dinge vortragen, die den Meisten Frauen häufig nicht so leicht über die Lippen kommen und die möglicherweise auch manchen noch nicht so bekannt sind.

Menstruation – vom Tabu bis Spott ist alles dabei

Zum einen ging es um Menstruation. Auch diese ist schon ziemlich tabubehaftet, was damit beginnt, dass viele Frauen sich verstohlen umschauen, wenn sie ihre Monatshygieneprodukte kaufen und diese möglichst schnell an der Kasse in eine Tasche verschwinden lassen. Dass es hierzulande noch harmlos ist und Frauen in anderen Kulturen durch soziale oder gar räumliche Ausgrenzung während der Periode sehr viel mehr unter der Tatsache zu leiden haben ist den Meisten klar. Trotzdem ist es trotz aller Aufklärung und scheinbarer Offenheit und Toleranz gegenüber sensiblen Themen auch hierzulande kein Thema, welches öffentlich kommuniziert wird. Außer natürlich zum Spott: „Die hat wohl ihre Tage!“ oder ähnliche Sprüche haben wir wahrscheinlich schon alle gehört.

Wunderwerk der Weiblichkeit

Dabei ist die Menstruation nicht nur das Natürlichste seit Menschengedenken, nein, es ist ein großartiges Wunderwerk! Unser Körper vollbringt jeden Monat eine Meisterleistung, die wir zum Teil als Strafe empfinden, uns dafür schämen oder bestenfalls nur damit hadern, dass unsere Leistungsfähigkeit in dieser Zeit zu wünschen übriglässt! Wusstet ihr, dass unser Zyklus sich in Jahreszeiten aufteilen lässt und wir gut daran täten, diese einzuhalten? Wir Frauen haben im Gegensatz zu Männern keinen stetig gleichbleibenden Hormonhaushalt und mit dem Auf und Ab unserer Hormone steht und fällt auch unter Anderem unsere Leistungsfähigkeit. Um den Eisprung herum sind unsere Hormone auf dem Höchststand und wir Frauen extrem leistungsfähig. Wir schaffen viel und sind präsent. Dann entstehen häufig diese Situationen, wo Frau erstaunt gefragt wird: „Wie schaffst du das alles bloß?“

Während des Zyklusbeginns – also dem Einsetzen der Periode – fällt auch der Hormonspiegel ab. Wir haben weniger Energie fürs Außen, sind reizbarer (vielleicht auch, weil unsere Ressourcen erschöpft sind). Das ist jedoch kein Makel, es liegt schlicht und ergreifend daran, dass unser Körper während des Zyklusbeginns Höchstleistungen vollbringt und regeneriert, um wieder auf eine neue Schwangerschaft vorbereitet zu sein. Dass wir uns dafür eine Auszeit gönnen, sollte in unserer doch so toleranten und aufgeklärten Gesellschaft eigentlich selbstverständlich sein. Sollten wir dazu dann noch an einer Erkrankung wie Endometriose oder Ähnlichem leiden, stoßen wir hier anstatt auf Hilfe häufig eher auf ganz viel Unverständnis, falls sich überhaupt jemand traut, darüber zu sprechen oder auch hier erntet Frau Spott, wie zum Beispiel beim Prämenstruellen Syndrom.

Und dann versuchen wir, uns durch die uns bekannten Hygieneprodukte möglichst lange über Wasser zu halten, nehmen einige Unannehmlichkeiten in Kauf, um ja nicht irgendwo aufzufallen, auszufallen oder ständig auf die Toilette zu müssen. Manche nehmen regelmäßig Schmerzmittel, statt eine Pause einzulegen und das ist sicher nicht gesund!

Inkontinenz – so präsent und doch nicht existent

Und dann ist da noch so ein Thema, welches wenn wir durch die Verkaufsregale in den Supermärkten gehen immer präsenter ist, aber trotzdem so totgeschwiegen wird. Es betrifft nicht nur uns Frauen, aber zu einem großen Teil. Denn unsere Anatomie und die Tatsache, dass wir Kinder gebären, begünstigt eine Inkontinenz einfach. Und genau darum geht es: um Inkontinenz. Denn die betrifft nicht nur alte Menschen. Ich war ehrlich gesagt ziemlich erschrocken, als ich festgestellt habe, dass es normal zu sein scheint, dass eine Frau spätestens nach dem 2. Kind damit rechnen muss, ein wenig undicht zu werden! Um es in Zahlen auszudrücken: Laut der Stiftung Gesundheitswissen leiden etwa 8 von 100 Frauen im Alter zwischen 18 und 40 bereits an Inkontinenz. Mit steigendem Alter erhöht sind es am Ende knapp 30 von 100 Frauen und das sind nur die Frauen, die eine Inkontinenz selbst zugeben! Wie hoch ist da wohl die Dunkelziffer? Wie viele Frauen reden sich ein, dass sie nicht betroffen sind, da sie ja nur bei starkem Husten, Springen oder großer Belastung ein kleines bisschen Urin verlieren? Es lohnt sich also, diesem Thema auch dann Beachtung zu schenken, wenn Frau aktuell noch nicht davon betroffen ist.

Warum wir unbedingt darüber sprechen müssen

Aber warum schreibe ich das alles? Jedenfalls nicht, um zu jammern, wie benachteiligt wir als Frauen sind.

Dass es in Sachen Gleichberechtigung der unterschiedlichen Geschlechter noch viel zu tun gibt, das ist uns denke ich allen klar. Aber nur WIR können etwas ändern. Und WIR sind es, die unseren Töchtern und Enkelinnen Werte vermitteln und ihr Selbstbild prägen. Liebe Frauen, es wird niemand kommen und uns retten. Es wird nicht plötzlich ein großer Aufschrei durch die Menge gehen und ein Umdenken stattfinden, wenn wir nicht anfangen, dieses Thema etwas offener zu kommunizieren. Wie soll die Gesellschaft – wie sollen unsere Töchter ein Umdenken erleben, wenn wir weiter so über unsere Menstruation schweigen und uns damit unser eigenes Gefängnis schaffen? Mit der eigenen Inkontinenz an die Öffentlichkeit zu treten, das ist natürlich eine andere Sache und das verlangt auch keiner. Doch mit den eigenen Kindern bzw. vertrauten Personen offen darüber zu sprechen – schon allein, damit diese dem eventuell besser entgegenwirken können und vor allem auch, sich fachliche Hilfe zu suchen, das ist etwas, was betroffene Frauen tun können, damit das Leben mit einer solchen Erkrankung leichter wird. Denn es ist eine Erkrankung, die in ihrem vollen Ausmaß gesehen werden darf, damit nachfolgende Generationen vielleicht eine Chance haben, diese vorab zu vermeiden.

Fragt ihr euch manchmal, ob das überhaupt einen Sinn hat, wenn nur wenige Personen sich auf diesen Weg begeben? Oder ob man dann nicht als Sonderling gilt? Doch wie war das mit den Menschen, die wirklich etwas bewirkt haben?

Margaret Mead sagte einmal:

„Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann – tatsächlich ist das die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde.“

Margaret Mead

Was wir konkret in der Hand haben, hier und jetzt

Es gibt eine Stellschraube, uns ein Stück mehr Würde, Freiheit und Gesundheit zurückzugeben und im Falle der Menstruation unter Umständen auch einige Schmerzen zu ersparen:

Es gibt eine doch ganz beschauliche Anzahl an alternativen Hygieneprodukten: Neben herkömmlichen Einwegtampons und -binden finden wir hier für beides Alternativen in Form von Stoffbinden- und auch Tampons, aber auch vielfältigen anderen Produkten, wie Labiapads, Schwämmchen, Menstruationstassen und -scheiben oder Periodenslips. Für eine Inkontinenz gibt es ebenfalls Binden und Slips, sowie Stoffwindeln für Erwachsene.

Aufwand und Ekelfaktor als Hindernis?

Die Hygieneprodukte für einen einzigen Zyklus finden in einer Waschmaschine Platz und lassen zusätzlich noch Raum für weitere Wäsche. Damit ist der Aufwand bei Menstruationsprodukten nur sehr gering und wenn Frau ein paar Dinge beachtet, sind die Mehrwegalternativen nicht nur hygienischer, angenehmer zu tragen und umweltfreundlicher. Bei Inkontinenzprodukten ist der Umfang sehr variabel, aber auch hier doch überschaubarer als gedacht und auch Wegwerfprodukte lösen sich nach Benutzung ja bekanntlich nicht sofort in Luft auf…

Diese unschlagbaren Vorteile bieten dir alternative Produkte

Vor allem bei einer Inkontinenz, aber auch während der Menstruation ist das dauerhafte Tragen von Produkten mit Superabsorber ein wirklich nicht zu unterschätzendes Gesundheitsproblem. Leider scheint auch diese Tatsache nicht von zu großem Interesse für die Gesellschaft zu sein, deshalb gibt es hierüber keine Studien. Allerdings gibt es Tatsachen, die nicht von der Hand zu weisen sind:

Waschbare Hygieneprodukte kommen unserer Gesundheit zugute, denn die Superabsorbierenden Polymere (das ist das Granulat, welches in den Wegwerfprodukten wie Binden, Stilleinlagen und Windeln als Saugkern enthalten ist), Parfüme und anderen Chemikalien, welche in den Wegwerfprodukten enthalten sind, fördern bakterielle und Pilzinfektionen, da sie die Schleimhäute austrocknen und reizen, die Intimflora damit negativ beeinflussen und so die genannten Infektionen begünstigen. Tampons hingegen haben zwar „nur“ Überreste von nicht deklrarierungspflichtigen Chemikalien, bergen dafür aber (häufig durch zu langes Tragen) das Risiko eines toxischen Schocksyndroms, welches durch das Bakterium Staphylococcus aureus zwar nur sehr selten hervorgerufen wird, dafür aber tödlich enden kann.

Ein weiterer Faktor ist das Geld. Zwar haben wir das Glück, in einer Kultur zu leben, wo wir doch recht leicht an Hygieneprodukte gelangen – was beispielsweise in Indien ein echtes Problem ist und dazu führt, dass Mädchen beispielsweise nicht mehr die Schule besuchen dürfen, weil sie sich keine Hygieneprodukte leisten können – aber es ist und bleibt ein zusätzlicher Kostenfaktor und wenn dann noch ein Inkontinenzthema dazu kommt, wird es richtig teuer. Und wer jetzt denkt, dass dann ja die Krankenkasse zahlt, weil man sowas ja auf Rezept bekommt, der sollte wissen, dass die dort berechneten Mengen oft alles andere als zureichend sind.

Ein kleines Rechenbeispiel

Hier ein paar Zahlen kurz und knapp zum Vergleich bei Monatshygieneprodukten:

Eine Frau menstruiert durchschnittlich etwa 40 Jahre. Die Dauer der Periode ist durchschnittlich 5 Tage, diese habe ich in meiner Rechnung auch verwendet. Da Periodenprodukte bis auf Tassen und Disks aus hygienischen Gründen nach maximal 6 Stunden gewechselt werden sollten (vor allem nächtliche Tampons sind deshalb übrigens ein Problem), sind täglich etwa 4 – 5 Produkte – insgesamt also 25 Stück notwendig.

Was ich für die folgende Rechnung nicht berücksichtigt habe, sind folgende Dinge:

Mit Wegwerfprodukten sind Periodenschmerzen meist höher, da es dazu keine verlässliche Studienlage gibt, habe ich sämtliche Schmerzmittel, Wärmflaschen etc. aus der Rechnung ausgeklammert. Ebenfalls nicht berücksichtigt habe ich, dass Stoffbinden zwischendurch gewaschen werden könnten und somit ist die zugrundeliegende Menge im Gegensatz zu den knapp kalkulierten Wegwerfprodukten sehr großzügig kalkuliert. Auch die Kosten für die Wäsche habe ich vernachlässigt, da es sich um weniger als eine Waschmaschine pro Monat handelt und auch mit Wegwerfprodukten sehr häufig zusätzliche Wäsche anfällt (die im Übrigen mit alternativen Produkten meist wegfällt).

Nun aber zum Preisvergleich (Preise sind Durchschnittswerte aus eigener Recherche):

Tampons                         min. 25 Stck./Monat                                 3,75 €/Monat (Bioprodukte 6,25 €)

Binden                             min. 25 Stck./Monat                                 7,50 €/Monat

Stofftampons                  max. 4 Pck. Á 8 Stck/5 (-10) Jahre     1,73 €/Monat

Stoffbinden                     max. 25 Stck./5 (-10) Jahre                        3,04 €/Monat

Levantinerschwämme    max. 2 Stck./6 Monate                              0,67 €/Monat

Menstruationstassen     max. 2 Stck./5 (oder mehr) Jahre     0,25 €

Einziger „Nachteil“ hierbei: Die Mehrwegprodukte müssen quasi für die Zeitspanne in der sie nutzbar sind im Voraus gekauft werden.

Im Gegensatz zu den Hygieneprodukten für die Menstruation, welche aufgrund des insgesamt überschaubaren finanziellen Aufwandes zu oft vernachlässigen sind, geht es bei einer vorliegenden Inkontinenz schon wirklich ins Geld. Wie sehr ist hier absolut individuell, deshalb gibt es dafür an dieser Stelle kein Rechenbeispiel. Die benötigten Produkte aus dem Sanitätshaus werden von den Krankenkassen häufig so knapp bemessen, dass es schon als demütigend zu bezeichnen ist, da eine inkontinente Person dadurch unter Umständen gezwungen ist, über einen längeren Zeitraum in den eigenen Ausscheidungen zu verharren, um über die Runden zu kommen. Die Alternative hierzu ist, zusätzliche Produkte hinzuzukaufen und das kann ganz schön ins Geld gehen. Außerdem gehen längst nicht alle Betroffenen damit zum Arzt und bekommen Hygieneartikel auf Rezept.

Auch wenn dies ein Thema ist, welches vielleicht bei manchen von euch einen etwas angestaubten Eindruck hinterlässt, möchte ich mit diesem meinen Beitrag abschließen:

Die Müllberge, die entstehen. Denn nicht nur Wegwerfwindeln benötigen 500 Jahre um zu zerfallen und auch die Überreste von den durch Superabsorber schwer brennbaren Produkten, werden in Salzbergwerken ähnlich wie Atommüll endgelagert.

Natürlich, das ist kein alleiniges Problem der Frauen, aber die Tatsache, dass wir solche Hygieneprodukte nun einmal doch sehr konstant nutzen, nimmt uns da meiner Meinung nach etwas mehr in die Verantwortung, ob uns das fair erscheint oder nicht.

Nutzt du bereits nachhaltige Produkte?

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